Pegasus / Pegasos: Das geflügelte Pferd zwischen Mythos und Sternenzelt
Seit Jahrtausenden blicken Menschen in den nächtlichen Himmel und projizieren ihre Geschichten, Ängste und Hoffnungen in die Anordnung der Sterne. Kaum ein Sternbild verkörpert diese Verbindung von Wissenschaft und Mythologie so elegant, wie das Sternbild Pegasus. Während moderne Astronomen darin eine markante Orientierungshilfe am Herbsthimmel sehen, erblicken Historiker und Mythologen darin das unsterbliche Denkmal eines der außergewöhnlichsten Wesen der griechischen Mythologie: Das geflügelte Pferd Pegasos.
Der Mythos: Das weiße Wunder aus dem Blute der Medusa
Die Wurzeln des Sternbilds liegen tief in den Erzählungen der griechischen Mythologie. Pegasos (altgriechisch Πήγασος, lateinisch Pegasus) war kein gewöhnliches Tier, sondern ein göttliches Geschöpf von reiner, weißer Fellfarbe und gewaltigen Schwingen.
Herkunft
Seine Herkunft ist spektakulär und zugleich schauerlich: Er entsprang einer Verbindung des mächtigen
olympischen Meeresgottes Poseidon >> (seinem Vater) und der einst schönen, aber verfluchten Gorgone Medusa (seiner Mutter). Als der Held Perseus die Medusa enthauptete, geschah das Wunder: Entweder sprang Pegasos direkt aus dem abgeschlagenen Nacken der Medusa – zusammen mit seinem Zwillingsbruder, dem Krieger Chrysaor mit dem goldenen Schwert – oder er entsprang genau an jener Stelle aus der Erde, auf die das Blut der Medusa tropfte.
Die Abenteuer mit Bellerophon
Berühmt wurde Pegasos vor allem durch seine Partnerschaft mit dem Helden Bellerophon (Bellerophontes, dem Pferdeversteher). Dieser hatte vom lykischen König Iobates den schier unlösbaren Auftrag erhalten, die Chimaira, ein feuerspeiendes Mischwesen aus Löwe, Ziege und Schlange, zu töten. Um diese Bestie aus der Luft zu bezwingen, war Bellerophon auf Pegasos angewiesen. Wie er das fliegende Pferd zähmte, ist umstritten – womöglich wurde es ihm von der Göttin Athene oder von Poseidon selbst übergeben.
Team
Im Team waren Bellerophon und Pegasos unschlagbar: Sie bezwangen die Chimaira und kämpften erfolgreich gegen die kriegerischen Amazonen am Fluss Thermodon. Doch die Geschichte ist auch von Tragik geprägt: So tötete Pegasos versehentlich Bellerophons Freund Bargylos mit einem unglücklichen Huftritt.
Der Sturz und der Weg zum Olymp
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde Bellerophon von Hybris (Übermut) gepackt. Er glaubte, den Göttern gleichgestellt zu sein, deshalb wollte Bellerophon auf dem Rücken von Pegasos den heiligen Olymp stürmen. Doch die Götter duldeten diese Anmaßung nicht. Bellerophon stürzte tief, während Pegasos alleine seinen Weg zum Olymp fortsetzte. Dort diente er fortan dem Göttervater Zeus und trug dessen Blitze. Zum Dank für seine Treue setzte Zeus das treue geflügelte Pferd schließlich als unvergängliches Sternbild an den Himmel.
Die Astronomie: Das große Herbstviereck am Nachthimmel
Verlässt man die Welt der Sagen und blickt durch das Teleskop, offenbart sich Pegasus als eines der markantesten und größten Sternbilder des nördlichen Fixsternhimmels. Es gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die bereits in der Antike vom Astronomen Ptolemäus beschrieben wurden.
Das "Herbstviereck" als kosmischer Wegweiser
Das auffälligste Merkmal des Sternbilds ist das sogenannte große Herbstviereck. Es wird aus drei Hauptsternen des Pegasus und einem Stern der benachbarten Andromeda gebildet. Dieses markante Quadrat ist am herbstlichen Abendhimmel kaum zu übersehen und dient Hobby-Astronomen als exzellenter Wegweiser:
Markab (α Pegasi): Der Name stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Sattel“ oder „Fahrzeug“. Er markiert die hintere Schulter des Pferdes.
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Scheat (β Pegasi): Ein rötlicher Riesenstern, dessen Name „Vorderbein“ bedeutet. Er ist ein veränderlicher Stern, dessen Helligkeit schwankt.
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Algenib (γ Pegasi): Ein bläulich-weißer, sehr heißer Stern an der Flanke des Pegasus.
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Alpheratz / Sirrah (α Andromeda): Dieser Stern bildet die nordöstliche Ecke des Quadrats. Ursprünglich wurde er dem Pegasus zugerechnet (als Delta Pegasi), gehört heute jedoch offiziell zum Sternbild Andromeda und repräsentiert den Kopf der angeketteten Königstochter.
Vom Quadrat aus erstrecken sich die Sternenketten, die den Hals und den Kopf des Pferdes (mit dem hellen Stern Enif als Nase) sowie die Vorderbeine darstellen. In der astronomischen Darstellung steht Pegasus übrigens „auf dem Kopf“: Sein Kopf zeigt nach Süden, seine Hufe strecken sich nach Norden.
Deep-Sky-Objekte im Pegasus
Für Astronomen hält Pegasus zudem faszinierende Himmelsobjekte bereit, die weit außerhalb unseres Sonnensystems liegen:
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Messier 15 (M15): Einer der dichtesten und ältesten bekannten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße.
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Stephans Quintett: Eine berühmte Gruppe von fünf Galaxien, die intensiv miteinander wechselwirken und in grandiosen kosmischen Kollisionen miteinander verschmelzen.
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Pegasi 51: Ein historisch extrem bedeutsamer Stern. Hier wurde im Jahr 1995 der allererste Exoplanet (ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems) an einem sonnenähnlichen Stern entdeckt.
Fazit
Ob man nun als Romantiker das weiße, stolze Flügelpferd sieht - oder als Astronom die unendlichen Weiten von M15 und ferne Galaxien erforscht: Das Sternbild Pegasus verbindet auf einzigartige Weise die Poesie der antiken Mythologie mit den wissenschaftlichen Wundern des modernen Universums. Ein Blick nach oben in einer klaren Herbstnacht lohnt sich allemal.
Zur Webseite mit vielen spannenden internen Links:
Das prachtvolle geflügelte Pferd Pegasos und das Sternbild Pegasus >>
(Bildquelle: KI Gemini)
23. Mai 2026 | ID: 33204 | Artikel löschen
Holger FischerHolger Fischer
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Antike mit dem Schwerpunkt griechische Mythologie, so lautet mein Hobby. Darüber recherchiere ich seit einigen Jahren und deshalb konnte ich mich auf diesem Gebiet zum Experten entwickeln. Viele fundierte Beiträge habe ich zu diesem umfangreichen und spannenden Themenfeld publiziert.