Das Sternbild Fische: Zwischen Himmelsmechanik, Schicksal und antiker Flucht
Das Sternbild der Fische (lateinisch Pisces, astronomisches Kürzel Psc) fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Als eines der klassischen Sternbilder des Tierkreises (Zodiak) verbindet es auf einzigartige Weise die präzise Beobachtung des Nachthimmels, die Deutung menschlicher Charaktereigenschaften und die reichhaltige Erzählwelt der antiken Mythologie.
1. Astronomie: Das unauffällige Band am herbstlichen Himmel
Astronomisch gesehen gehören die Fische zu den ausgedehnten, aber eher unauffälligen Sternbildern des Herbsthimmels. Es liegt auf der Ekliptik – der scheinbaren Bahn, welche die Sonne im Laufe eines Jahres vor dem Fixsternhintergrund beschreibt.
-
Lage und Sichtbarkeit: Die Fische erstrecken sich über ein großes Areal am Nordhimmel und sind in unseren Breiten am besten im Herbst (September bis November) zu sehen. Sie grenzen unter anderem an den Wassermann, den Pegasus, die Andromeda und den Widder.
-
Erscheinungsbild: Das Sternbild stellt zwei Fische dar, die an ihren Schwänzen durch ein langes Band (oft als Schnur gedeutet) miteinander verbunden sind. Dieses Band läuft in einem markanten Stern namens Alrischa (Alpha Piscium, arabisch für „die Schnur“) zusammen. Die Sterne der Fische sind meist recht lichtschwach, weshalb das Auffinden ein wenig Übung erfordert. Ein hilfreicher Orientierungspunkt ist das markante Viereck des Pegasus direkt darüber.
-
Der Frühlingspunkt: Von besonderer astronomischer Bedeutung ist das Sternbild, weil sich in ihm derzeit der sogenannte Frühlingspunkt befindet. Dies ist der Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik. Wenn die Sonne diesen Punkt erreicht (um den 20. März), beginnt in der nördlichen Hemisphäre der astronomische Frühling. Durch die Kreiselbewegung (Präzession) wandert dieser Punkt im Laufe von Jahrtausenden durch den Tierkreis. So hält sich die Sonne laut antiken Berechnungen traditionell vom 12. März bis zum 19. April in diesem Bereich auf, wandert jedoch über extrem lange Zeiträume hinweg weiter – in Zukunft in das Sternbild des Wassermanns.
2. Mythologie: Die dramatische Flucht von Aphrodite und Eros
Die mythologische Erklärung, wie die Fische an den Himmel gelangten, führt uns direkt in die stürmischen Urzeiten der griechischen Götterwelt. Gemäß den antiken Überlieferungen ist das Sternbild untrennbar mit der
Liebesgöttin Aphrodite (römisch Venus) >> und ihrem Begleiter Eros (römisch Amor) verbunden.
Die Zeit des Sturmriesen Typhon
Die Geschichte spielt zu der Zeit, als das gewaltigste und schrecklichste Ungeheuer aller Zeiten, Typhon, die Götter des Olymps angriff. Typhon war so mächtig und furchteinflößend, dass selbst der Göttervater Zeus und die übrigen Olympioniken in nackte Angst versetzt wurden. Um dem Ungetüm zu entkommen, ergriffen die Götter die Flucht und verwandelten sich in verschiedene Tiere, um sich zu tarnen.
Aphrodite und Eros
Aphrodite und Eros befanden sich zu dieser Zeit in der Nähe des Euphrat – dem größten Fluss Vorderasiens. Als Typhon herannahte, sahen die beiden keinen anderen Ausweg, als sich in zwei Fische zu verwandeln und in die schützenden Fluten des Euphrat zu springen. Um sich in den reißenden Strömungen des Flusses und in der allgemeinen Panik nicht zu verlieren, banden sie sich mit einem unzertrennlichen Band aneinander. Dank dieser List gelang ihnen die Flucht vor dem Ungeheuer. Zum Gedenken an diese Rettung und als Symbol mütterlicher und kindlicher Verbundenheit, wurde das Bild der beiden verknüpften Fische als Sternbild an das Himmelszelt gesetzt.
Spiegelung in anderen Kulturen
Interessanterweise spiegelt sich diese Symbolik auch in anderen Kulturen wider: Aphrodite besitzt starke Parallelen zur babylonischen Liebesgöttin Ištar (Ischtar) oder der sumerischen Inanna, die ebenfalls eng mit der Region des Euphrat und der Fruchtbarkeit des Wassers verknüpft sind.
3. Astrologie: Das zwölfte Zeichen des Tierkreises
In der Astrologie nehmen die Fische eine Sonderrolle ein. Als zwölftes und letztes Zeichen des astrologischen Tierkreises schließt es den kosmischen Jahreszyklus ab.
Zeitraum: Das astrologische Tierkreiszeichen Fische unterscheidet sich aufgrund der Erdachsenverschiebung heute von den tatsächlichen astronomischen Konstellationen. Wer zwischen dem 20. Februar und dem 20. März geboren ist, gehört im Horoskop zum Zeichen Fische.
-
Element und Herrscher: Die Fische gehören zum Element Wasser (zusammen mit Krebs und Skorpion) und gelten als "veränderliches" Zeichen. Traditionell wurde das Zeichen vom Planeten Jupiter (Zeus) regiert, in der modernen Astrologie wird dieses Zeichen dem Neptun (Poseidon) – der Gott der Meere – zugeordnet.
-
Typische Eigenschaften: Da die Fische das letzte Zeichen des Tierkreises sind, sagt man ihnen nach, dass sie Anteile aller elf vorangegangenen Zeichen in sich tragen. Fische-Geborene gelten als tiefgründig, empathisch, intuitiv und fantasievoll. Oft wird ihnen eine ausgeprägte Spiritualität und eine Neigung zur Träumerei zugeschrieben. Wie die mythologischen Fische, die in die Tiefen des Euphrat flüchteten, neigen auch astrologische Fische manchmal dazu, sich bei Konflikten in ihre eigene, schützende Innenwelt zurückzuziehen.
Fazit
Ob man die Fische nun als schwache Lichtpunkte durch ein Teleskop sucht, ihre tiefenpsychologische Bedeutung im Horoskop ergründet oder sich von der antiken Erzählung über Aphrodites rettenden Sprung in den Euphrat faszinieren lässt: Das Sternbild Fische bleibt ein zeitloses Symbol für Schutz, Verbundenheit und die geheimnisvollen Tiefen des Lebens.
Zur Webseite mit vielen interessanten internen Links:
Das Sternbild Fische in der griechischen Mythologie >>
(Bildquelle: KI Gemini)
14. Mai 2026 | ID: 32995 | Artikel löschen
Holger FischerHolger Fischer
Compesmühlenweg 129
41065 Mönchengladbach
Deutschland
webmaster@info-allerlei.de
https://www.mythologie-antike.com
Antike mit dem Schwerpunkt griechische Mythologie, so lautet mein Hobby. Darüber recherchiere ich seit einigen Jahren und deshalb konnte ich mich auf diesem Gebiet zum Experten entwickeln. Viele fundierte Beiträge habe ich zu diesem umfangreichen und spannenden Themenfeld publiziert.