Milet: Die antike Metropole an der Westküste Kleinasiens und ihre mythische Gründung durch Neleus

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Milet: Die antike Metropole an der Westküste Kleinasiens und ihre mythische Gründung durch NeleusMilet

Die antike Stadt Milet (altgriechisch: Míletos), gelegen an der Westküste Kleinasiens in der heutigen Türkei, war eine der bedeutendsten griechischen Poleis der Antike. Heute befindet sich der moderne Ort Balat etwa 1,5 Kilometer südlich der archäologischen Stätte. Milet entstand auf einer Landzunge, die sich in den Golf von Milet hinein erstreckte, und profitierte von vier natürlichen Buchten, die als Hafen dienten. Diese strategische Lage machte die Stadt zu einem zentralen Umschlagplatz im Handel zwischen dem östlichen Mittelmeer, dem Schwarzmeerraum und dem Nahen Osten. Besonders bekannt war Milet für seine Purpurfärberei und die frühe Münzprägung, die in der Region entstand.

Der mythische Gründer Neleus

Gemäß einer griechischen sagenhaften Überlieferung wurde Milet von Neleus >>, dem Sohn des letzten Königs von Athen, Kodros, gegründet. Diese Version der Gründung steht im Gegensatz zu einer anderen Legende, die Milet als von Kretern aus Milatos unter Sarpedon gegründet beschreibt. Neleus gilt in der Mythologie als bedeutender Stammvater der Ionier und als Gründer der Stadt, die er nach dem Muster der griechischen Stadtstaaten ausbaute. Seine Rolle als Stammvater der ionischen Kolonien ist besonders in der antiken Literatur hervorgehoben, da Milet im 7. Jahrhundert v. Chr. über 80 Kolonien gründete – darunter Sinope >> am Schwarzen Meer und Naukratis in Ägypten.

Archäologische Bedeutung und historische Entwicklung

Die archäologischen Ausgrabungen, die seit 1899 unter Leitung von Theodor Wiegand durchgeführt wurden, haben die Bedeutung von Milet aufgezeigt. Die Stadt besaß ein orthogonales Straßensystem, das dem Philosophen Hippodamos von Milet zugeschrieben wird. Wichtige Bauten wie das große Theater, die Faustinathermen, das Buleuterium und die Markthöfe zeugen von der kulturellen und wirtschaftlichen Blütezeit. Ein repräsentatives Eingangstor des Nordmarkts wurde nach Berlin überführt und ist heute im Pergamonmuseum aufbewahrt.

Religiöses Zentrum

Milet war auch ein religiöses Zentrum. Das überregionale Apollon-Heiligtum von Didyma, nur wenige Kilometer entfernt, wurde von der Stadt verwaltet und war ein wichtiges Pilgerziel. In der römischen Kaiserzeit blühte Milet erneut auf, und die Stadt gehörte zum Delisch-Attischen Seebund. Der Apostel Paulus verabschiedete sich hier gemäß der Apostelgeschichte von den Ältesten von Ephesos >>.

Spätantike und mittelalterliche Entwicklung

Obwohl Milet im 5. Jahrhundert n. Chr. durch Seuchen und kriegerische Auseinandersetzungen stark zurückging, blieb die Stadt bis ins 6. Jahrhundert besiedelt. Neue Forschungen zeigen, dass Milet noch im späteren 6. Jahrhundert blühte - und die sogenannte „Byzantinische Mauer“ wurde erst im 7. Jahrhundert errichtet. In der Neuzeit wurde die Stadt Palatia genannt, bevor sie als Balat bekannt wurde.

Antike griechische Stadtplanung

Milet bleibt ein herausragendes Beispiel für die antike griechische Stadtplanung, wirtschaftliche Dynamik und kulturelle Vielfalt. Die Figur Neleus verbindet die historische Bedeutung der Stadt mit der griechischen Mythologie und unterstreicht die Rolle von Milet als zentrales Bindeglied zwischen Kreta, Athen und dem östlichen Mittelmeer.

Quelle (Neleus als Stadtgründer von Milet

Strabon: Geographica 633 (Bildquelle: )

06. Februar 2026 | ID: 30602 | Artikel löschen
Holger Fischer

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