Amnesie, Demenz und Vergesslichkeit: Ein medizinischer Blick auf das Vergessen und die Mythologie

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Amnesie, Demenz und Vergesslichkeit: Ein medizinischer Blick auf das Vergessen und die MythologieDas Vergessen und die Menschheit

Die menschliche Neigung zum Vergessen, ist so alt wie die Menschheit selbst – bereits in der antiken Mythologie wurde die Vergesslichkeit personifiziert: Oblivio, die Gottheit der Vergesslichkeit >>, repräsentiert in griechischer und römischer Mythologie das Prinzip des Vergessens. Als lateinisch Oblivio (von oblivisci = vergessen) und altgriechisch amnēsía (Amnesie) symbolisiert sie nicht nur das individuelle Vergessen, sondern auch die tiefgreifende, krankhafte Störung des Gedächtnisses. Diese mythische Figur erinnert uns daran, dass das Vergessen – ob harmlos oder pathologisch – seit jeher ein zentrales Thema für die Menschheit ist.

Moderne Medizin

In der modernen Medizin unterscheidet man zwischen normaler Altersvergesslichkeit, Amnesie und Demenz – drei Begriffe, die oft verwechselt werden, aber unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Leichte Vergesslichkeit, wie das Vergessen von Namen oder Terminen, die später wiedererinnert werden, ist ein normaler Teil des Alterungsprozesses. Bei Amnesie hingegen – einer inhaltlich und zeitlich begrenzten, oft traumabedingten Gedächtnisstörung – kann der Betroffene weder an Vergangenes noch an Neues erinnern. Dies kann durch Hirntraumen, epileptische Anfälle oder seltene Zustände wie die transiente globale Amnesie (TGA) ausgelöst werden, die meist spontan und harmlos wieder verschwindet. Klinisch unterscheidet man zwischen retrograder Amnesie (Vergessen der Vergangenheit) und anterograder Amnesie (Unfähigkeit, neue Erinnerungen zu bilden).

Demenz

Im Gegensatz dazu ist Demenz eine fortschreitende, irreversible Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen absterben und die kognitiven Funktionen kontinuierlich nachlassen. Die Alzheimer-Krankheit ist dabei die häufigste Form. Frühzeichen sind nicht nur starker Kurzzeitgedächtnisverlust, sondern auch Orientierungslosigkeit, Persönlichkeitsveränderungen, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen oder Autofahren und ein zunehmender Verlust der Selbstständigkeit. Im Gegensatz zur normalen Vergesslichkeit bleibt die Demenz nicht auf einem Niveau, sondern verschlechtert sich über die Zeit.

Ursachen

Die Ursachen für Gedächtnisstörungen sind vielfältig: Neben neurodegenerativen Prozessen spielen Vitaminmangel (B12, D), Schilddrüsenstörungen, Medikamentenwirkungen, Depressionen (sogenannte „pseudodemenzielle“ Zustände) und Gefäßschäden eine Rolle. Ein frühzeitiges Eingreifen ist entscheidend: Bluttests, kognitive Tests wie der Uhrentest oder der Mini-Mental-Status-Test (MMST) sowie bildgebende Verfahren wie die Kernspintomographie (MRT) helfen bei der Diagnose. Besonders wichtig ist die Früherkennung: Studien zeigen, dass gezielte kognitive und psychomotorische Therapien den Krankheitsverlauf bei Alzheimer-Patienten verzögern und die Lebensqualität verbessern können.

Herausforderung

Die medizinische Forschung steht vor der Herausforderung, die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen – insbesondere die Rolle des Hippocampus, des zentralen Gedächtniszentrum im Gehirn, dessen Schrumpfung bei Amnesie und Demenz ein zentrales Merkmal ist. Obwohl es bislang keine Heilung gibt, gibt es Mittel, die den Gedächtnisverlust für eine Weile aufhalten können. Gleichzeitig ist das Prinzip „Nutze es oder verliere es“ entscheidend: Geistige Aktivität, soziale Kontakte, körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichender Schlaf sind wirksame Strategien, um das Gehirn zu stärken und das Risiko für Demenz zu senken.

Fazit

Die mythische Gestalt Oblivio erinnert uns daran, dass das Vergessen ein Teil des menschlichen Daseins ist – doch in der modernen Medizin geht es nicht darum, es zu fürchten, sondern es zu verstehen, zu erkennen und gezielt zu handeln. Denn nur wer die Grenzen zwischen normaler Vergesslichkeit und krankhafter Amnesie oder Demenz erkennt, kann frühzeitig helfen – und so das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen nachhaltig verbessern.

Schlussanmerkung

Dem Vergessen steht die Erinnerung gegenüber. In der griechischen Mythologie wird die Erinnerung durch die Göttin Mnemosyne >> personifiziert. (Bildquelle: )

03. Februar 2026 | ID: 30471 | Artikel löschen
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