
Gerade Banken und Versicherungen gelten als besonders sorgfältig, wenn es um Personalentscheidungen geht. Regulierung, Haftungsfragen und hohe fachliche Anforderungen prägen die Auswahlprozesse. Umso erstaunlicher ist es, dass Arbeitszeugnisse im Recruiting weiterhin eine so große Rolle spielen. "In kaum einer Branche wird so viel geprüft - und gleichzeitig so wenig wirklich eingeschätzt wie in der Finanzwirtschaft", sagt Dr. Thomas Ferdinand, Recruitingexperte für Banken und Versicherungen.
Arbeitszeugnisse vermitteln dabei vor allem eines: ein Gefühl von Sicherheit. Doch dieses Gefühl ist trügerisch. In der Praxis entstehen Zeugnisse selten als ehrliche Leistungsbewertung. Sie werden verhandelt, juristisch entschärft oder gleich von Mitarbeitenden selbst formuliert. "Was auf dem Papier gut klingt, ist häufig nicht mehr als ein Konfliktvermeidungsprodukt", so Ferdinand.
Regulierte Branche, unregulierte Annahmen
Gerade in Banken und Versicherungen sind Genauigkeit, Verlässlichkeit und Urteilsfähigkeit entscheidend. Umso problematischer ist es, wenn Einstellungsentscheidungen auf Dokumenten basieren, deren Aussagekraft begrenzt ist. "Ein gutes Zeugnis ist kein Beweis für Kompetenz. Es ist oft nur ein Beweis dafür, dass jemand angepasst war oder rechtssicher verabschiedet wurde", erklärt Ferdinand.
Trotzdem dienen Zeugnisse weiterhin als Entscheidungsgrundlage für Personaler. Warum? Weil sie Verantwortung verschieben. "Ein gutes Zeugnis fühlt sich sicher an. Eine eigene Einstellungsentscheidung zu vertreten, fühlt sich riskanter an. Und genau dieses Risiko wollen Personaler gerne vermeiden."
Vergangenheit lesen - Zukunft verfehlen
Arbeitszeugnisse beschreiben vergangenes Verhalten in einem klar umrissenen Kontext: unter einer bestimmten Führung, in einer bestimmten Organisation, mit bestimmten Spielregeln. Banken und Versicherungen suchen jedoch Mitarbeitende, die in einer hochdynamischen, regulierten und zunehmend komplexen Zukunft bestehen müssen.
"Wer glaubt, aus einem Zeugnis auf zukünftige Leistungsfähigkeit schließen zu können, verwechselt Rückschau mit Prognose", warnt Ferdinand. Gerade in der Finanzbranche sei Leistung extrem kontextabhängig - fachlich, kulturell und regulatorisch.
Zeugnisse filtern die Falschen
Ein strukturelles Problem kommt hinzu: Das Zeugnisformat belohnt vor allem Menschen, die sich anpassen und möglichst wenig anecken. Wer Prozesse nicht hinterfragt, keine Reibung erzeugt und sich loyal verhält, erhält meist gute Bewertungen. Wer kritisch denkt, Veränderungen anstößt oder unbequeme Fragen stellt, passt schlecht in die Logik klassischer Zeugnisse.
"Dabei braucht die Finanzbranche genau diese Persönlichkeiten - Menschen mit Urteilsfähigkeit, Rückgrat und Klarheit", so Ferdinand.
Schwaches Recruiting tarnt sich als saubere Akte
Für Ferdinand ist die starke Gewichtung von Arbeitszeugnissen oft ein Warnsignal. "Je wichtiger Zeugnisse genommen werden, desto häufiger fehlt es an echter Recruiting-Kompetenz. Wer Zeugnisse interpretiert, muss keine Fragen stellen. Wer Papier prüft, muss keine Einschätzung abgeben."
Gutes Recruiting in Banken und Versicherungen entsteht nicht durch vollständige Bewerbungsakten, sondern durch klare Anforderungsprofile, verhaltensbasierte Interviews, fachliche Tiefenprüfungen und belastbare Urteile.
"Dokumente sind bequem. Gespräche sind aufschlussreich - und Aufschluss bedeutet, sich festzulegen."
Arbeitszeugnisse mögen in Banken und Versicherungen juristisch relevant sein. Für fundierte Personalentscheidungen sind sie jedoch kaum geeignet. "Sie senken kein Risiko. Sie verschieben Verantwortung und verschleiern die eigentliche Entscheidung", sagt Ferdinand.
Gutes Recruiting in der Finanzbranche misst sich nicht an Papier, sondern an Urteilsfähigkeit, Prognosekompetenz und dem Mut, Entscheidungen zu treffen und zu tragen. "Wer Verantwortung für Geld, Kunden und Regulierung übernimmt, sollte auch den Mut haben, Verantwortung für seine Einstellungsentscheidungen nicht an Dokumente zu delegieren."
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19. Februar 2026 | ID: 30916 | Artikel löschen
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Über Dr. Thomas Ferdinand
Dr. Thomas Ferdinand hilft Unternehmen, insbesondere aus der Finanzbranche, geeignete Talente zu rekrutieren, bestehende Mitarbeiter zu entwickeln, und alle zu motivieren. Seine Überzeugung, dass effektives Recruiting oft unterschätzt wird, ist für Unternehmen entscheidend, da die Qualität der Mitarbeiter für den zukünftigen Erfolg maßgeblich ist.
Dr. Thomas Ferdinand hat in Banken, Versicherungen und Bausparkassen über 30 Jahre Erfahrung gesammelt. Parallel zu seiner praktischen Tätigkeit hat er im Laufe der Zeit drei Studienabschlüsse erworben. Seine Tätigkeitsschwerpunkte waren und sind Recruiting und Vertrieb. Dies ist der rote Faden seiner Karriere.
Zudem ist der Recruitingexperte auch gefragter Redner und hat bereits zahlreiche mitreißende Vorträge für Führungskräfte und Mitarbeiter gehalten sowie ein Buch veröffentlicht.